Plan B für deinen Hund. Die Hundekita.
Über kaum etwas reden Hundemenschen so wenig – und brauchen es trotzdem fast alle irgendwann. In meiner aktuellen Podcastfolge von Mind the Dog war der Berliner Hundetrainer Tom Münch zu Gast. Tom ist seit fast zehn Jahren Verhaltensberater und Trainer, sachverständige Person in Berlin und betreibt mit Tom for Dogs eine eigene Hundetagesstätte. Was er erzählt hat, lohnt sich für alle, die ihren Hund irgendwann in andere Hände geben – ob für einen einzelnen Tag, im Notfall oder im Urlaub. Denn eine gute Betreuung erkennst du nicht am Gelände, sondern an den vielen kleinen Entscheidungen dahinter.
Warum die Suche nach Betreuung zum Hundeleben dazugehört
Viele schieben das Thema vor sich her, bis es plötzlich brennt. Dann muss es kurzfristig gehen – vor dem Urlaub, vor einem Krankenhaustermin, vor einer Reise, die sich nicht verschieben lässt. Genau dann ist es am schwierigsten, eine gute Lösung zu finden. Tom bekommt solche Anfragen ständig, gerade in den Ferienzeiten, und kann sie meistens nicht annehmen. Nicht aus Unwillen, sondern weil eine seriöse Betreuung Zeit braucht. Ein Hund, der den Menschen hinter der Tagesstätte gar nicht kennt, macht schon beim ersten Mal keine schöne Erfahrung.
Mein Rat schließt sich da nahtlos an: Plane die Betreuung am besten gleich mit, wenn ein Hund bei dir einzieht. Such dir ohne konkreten Anlass schon einmal jemanden, dem du vertraust, und gewöhne deinen Hund in Ruhe daran. Dann hast du im Ernstfall eine Telefonnummer, die wirklich hilft. Ich nehme mich da ausdrücklich an die eigene Nase: Bei meiner Juno ist die Eingewöhnung kein Eingewöhnungstag, sondern gefühlt ein Eingewöhnungsjahr – und trotzdem ist ein Plan B wichtig.
Auf den Punkt
Eine gute Betreuung suchst du am besten in Ruhe, bevor du sie brauchst. Ein Plan B entsteht nicht im Notfall, sondern vorher.
Das Kennenlernen: eine Einführung ist wichtig!
Toms erster und wichtigster Hinweis: Wenn eine Tagesstätte sagt „bring ihn einfach mal vorbei und lass ihn da", dann geh dort nicht hin. Du gibst dein Tier in fremde Obhut – da darfst und sollst du den Menschen dahinter gut kennenlernen. Bei Tom läuft das in mehreren Schritten ab. Zuerst klärt er am Telefon das Grundsätzliche: Wie ist der Hund unterwegs, wie alt ist er, gibt es gesundheitliche Themen, Schmerzen, ein ausgeprägtes Jagdverhalten, mag er bestimmte Hunde nicht? Passt das, gibt es einen Kennenlernspaziergang. Und erst danach folgt der Einführungstag.
„Es heißt bei uns Einführungstag und nicht Probetag. Es ist kein Test – es ist eine Einführung."
Der heißt bei Tom bewusst Einführungstag und nicht Probetag, denn es ist kein Test, der bestanden werden muss, sondern ein behutsames Einführen in die Abläufe. Manche Hunde dürfen erst stundenweise kommen, besonders wenn sie mit dem Alleinsein noch hadern. Tom hat auch schon Einführungstage abgebrochen, weil es einfach nicht gepasst hat – und das ist gut so. Genauso wichtig: Achte als Haltende darauf, was die betreuende Person mit deinem Hund macht. Nimmt sie ihn freundlich an die Schleppleine und geht auf ihn ein? Oder ruckt sie, wird laut, sagt „da muss er jetzt durch"? Diesen Unterschied siehst du im Kennenlernen sofort.
Tipp aus der Praxis
Beim Kennenlernspaziergang darf die betreuende Person deinen Hund ruhig kurz an die Leine nehmen. Schau dabei nicht nur, wie dein Hund reagiert – schau vor allem, wie der Mensch mit ihm umgeht.
Kleine Gruppen, echte Ruhe
Tom zieht die Grenze bei acht Hunden, obwohl er bis zu zehn dürfte. Diese Größe lässt sich gut begleiten, und die Gruppen bleiben über die Wochentage hinweg möglichst stabil. So entsteht für die Hunde eine verlässliche Erwartung: Sie wissen, welche Kumpel dabei sind, und auch, welchen Hund sie vielleicht weniger mögen und dem sie einfach aus dem Weg gehen können.
Der wichtigste Punkt ist die Moderation. Eine gute Betreuung lässt Hunde nicht einfach laufen, bis sie umfallen. Tom erzählt, wie sein Joey früher aus einer anderen Tagesstätte jeden Abend völlig erschöpft nach Hause kam – ohne Ruhephasen, ohne dass jemand das Spiel gelenkt hätte. Genau das wollte Tom besser machen: feste Ruhezeiten, Rückzugsmöglichkeiten, ältere Hunde, die sich jederzeit hinlegen dürfen, ohne dass die jungen Wilden sie bedrängen. Begleiten heißt eben nicht, die Hunde „unter sich ausmachen" zu lassen. In einer Gruppe trägt die betreuende Person die Verantwortung für alle – auch für den sensiblen Hund, der zusammenzuckt, wenn nebenan jemand angeschnauzt wird.
Ehrlich sein über den eigenen Hund
Ein Satz von Tom ist mir besonders hängengeblieben: Verschönert euren Hund nicht. Wer verschweigt, dass der Hund jeden Grashalm verteidigt, jagt oder mit bestimmten Artgenossen ein Thema hat, riskiert, dass es in der Gruppe knallt. Das will niemand – am wenigsten der Hund selbst. Dasselbe gilt für Schmerzen. Tom hat erlebt, dass eine eigentlich liebe Hündin eine andere beim Toben unsanft anrempelte, der Rempler wehtat, und die beiden danach nie wieder Freundinnen wurden. Wäre der Schmerz bekannt gewesen, hätte er die Situation anders moderieren können.
Auch der Kastrationsstatus gehört dazu – das ist keine Kleinigkeit. Wird ein Kastrationschip nicht erneuert und niemand sagt Bescheid, kann das in einer Gruppe mit unkastrierten Rüden ernst enden. Ehrlichkeit ist hier kein Bürokram, sondern Sicherheit. Und sie fällt nicht auf dich zurück: Ein Hund mit chronischen Schmerzen oder einer schwierigen Vorgeschichte ist kein Versagen, sondern einfach ein Hund, der genauer betreut werden möchte.
Auf den Punkt
Ehrlichkeit über Ressourcen, Schmerzen und Kastrationsstatus ist kein Eingeständnis – sie schützt deinen Hund und alle anderen in der Gruppe.
Woran du eine gute betreuende Person erkennst
Schau dir die Qualifikation an: Wann wurde die Ausbildung gemacht, gibt es regelmäßige Fortbildungen, in welche Richtung gehen sie? Begriffe wie „wir arbeiten rein körpersprachlich" oder „die Hunde dürfen natürliches Verhalten zeigen" klingen erst einmal gut, verstecken aber manchmal aversive Methoden. Frag ruhig nach. Schau dir auch den Transport an: gesicherte Boxen statt loser Ladefläche, ein klimatisiertes Fahrzeug, ein vernünftiges Verhältnis von Fahrzeit zu Zeit draußen. Und ganz selbstverständlich eine Betriebshaftpflicht, die die Betreuung abdeckt.
Vertrau außerdem deinem Blick auf deinen eigenen Hund. Freut er sich wirklich – oder ist er nur aufgeregt und abends überdreht? Bitte gerade am Anfang um ein kurzes Video oder ein, zwei Fotos. Und wenn die betreuende Person dir sagt, ihr sei etwas Gesundheitliches aufgefallen, dann geh dem nach. Genauso gilt: Nimm es nicht persönlich, wenn sie ein Verhalten anspricht. Eine gute Betreuung redet sachlich mit dir, nicht über dich.
Deine Checkliste für die Betreuungssuche
- ✓ Gibt es ein echtes Kennenlernen – Telefonat, Spaziergang, Einführungstag?
- ✓ Sind die Gruppen klein, stabil und gut moderiert?
- ✓ Gibt es feste Ruhezeiten und Rückzugsmöglichkeiten?
- ✓ Wird gewaltfrei und bedürfnisorientiert gearbeitet?
- ✓ Ist der Transport sicher und klimatisiert, mit gutem Verhältnis von Fahrzeit zu Draußenzeit?
- ✓ Gibt es eine Betriebshaftpflicht, die die Betreuung abdeckt?
- ✓ Kommt dein Hund entspannt nach Hause – oder völlig überdreht?
Zum Schluss
Eine gute Hundetagesstätte ist mehr als ein Ort, an dem dein Hund untergebracht ist. Sie kann ihm in einer immer enger werdenden Welt etwas geben, das selten geworden ist: gute soziale Kontakte in freier Bewegung, gut begleitet. Genau dafür lohnt es sich, früh zu suchen, ehrlich zu sein und genau hinzuschauen. Die ganze Folge mit Tom – inklusive der wunderbaren Geschichte vom fliegenden Dackel Gustav – hörst du im Podcast Mind the Dog, überall, wo es Podcasts gibt, und auf meinem YouTube-Kanal.
Neu bei Tom for Dogs
Tom baut gerade im Süden von Berlin den ersten exklusiven Hundeauslauf zur Miete auf – einen geschützten Platz nur für dich und deinen Hund. Wenn du dafür Bedarf hast, frag am besten direkt bei ihm nach.
Zu Toms Infos → Hier kannst du direkt reinhören:
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