So funktioniert der Rückruf

„Mein Hund kommt nicht, wenn ich rufe“ – was tun?

Ein häufiges Problem, das viele Hundehalter:innen kennen: Du rufst deinen Hund, und er reagiert nicht. Vielleicht rufst du immer lauter und wirst schließlich sogar wütend. Eigentlich müsste dein Hund doch merken, dass es jetzt ernst ist, oder? Doch stattdessen passiert das Gegenteil: Er zeigt Beschwichtigungssignale, weil er in einen inneren Konflikt gerät. Einerseits sagt das Signal, dass er zu dir kommen soll, aber deine Körpersprache und Stimme schreien förmlich „Bleib weg, ich bin sauer!“.

Es ist okay, mal etwas mehr Nachdruck in die Stimme zu legen, wenn du sicher bist, dass dein Hund das Signal grundsätzlich gut kennt. Aber dann ist es oft besser, ein anderes Signal zu verwenden, zum Beispiel „zackig“ oder „flott“. Wenn dein Hund daraufhin reagiert und zu dir läuft, wiederhole das Signal freundlich, damit er es erfolgreich umsetzen kann.

Warum kommt mein Hund nicht, wenn ich ihn rufe?

Es gibt verschiedene Gründe, warum dein Hund den Rückruf ignoriert:

  • Dein Hund hat das Signal noch nicht richtig gelernt.
  • Die Ablenkung in der Umgebung ist einfach zu groß.
  • Es wurde mit zu viel Druck trainiert, und dein Hund meidet dich deshalb.
  • Streicheln wurde als Belohnung eingesetzt, was viele Hunde im „Arbeitsmodus“ nicht besonders schätzen. Wenn dein Hund ausweicht, wenn du ihn streichelst, solltest du das Streicheln nicht als Belohnung verwenden.
  • Dein Hund wird von anderen Hunden bedrängt oder bespielt und kann daher nicht zu dir kommen.

Soll mein Hund immer an der Leine bleiben, bis der Rückruf sicher funktioniert?

Das hängt davon ab, wie schlecht dein Hund tatsächlich hört. Wenn er praktisch nie kommt, wenn du ihn rufst, empfiehlt es sich, eine Zeit lang nur mit Schleppleine (5-10 Meter) zu trainieren. Funktioniert es damit gut, kannst du in einer sicheren, ablenkungsarmen Umgebung das Training ohne Leine fortsetzen.

Grundsätzlich gilt: Sicherheit geht vor! Dein Hund darf niemanden oder sich selbst gefährden, also nicht einfach auf die Strasse rennen oder zu fremden Hunden oder Menschen. Nur weil dein hund normalerweise freundlich ist, heißt das noch lange nicht das andere Hunde (oder Menschen) Kontakt zu deinem Hund wünschen.

Das Rückruf-Training

Das Signal: Welches Wort du für den Rückruf nutzt, ist eigentlich egal, wichtig ist nur, dass es nicht im alltäglichen Sprachgebrauch zu oft vorkommt. Statt „Komm“ oder „Hier“ – Wörter, die viele Hundehalter:innen schnell in einem schärferen Ton rufen – wäre ein freundlicheres „Schau mal her“ eine gute Alternative.

Die Umgebung: Beginne das Training in einer reizarmen Umgebung, damit dein Hund überhaupt die Chance hat, zu verstehen, was du von ihm möchtest.

Die Körpersprache: Ein zusätzliches Handzeichen kann für Hunde sehr hilfreich sein, da sie stark auf unsere Körpersprache achten. Für das „Schau mal her“ könntest du zum Beispiel die Hand seitlich ausstrecken.

Trainingsablauf:

  • Ruf freundlich das Signal und gib gleichzeitig das Handzeichen.
  • Lobe deinen Hund ab dem Moment, in dem er den ersten Schritt in deine Richtung macht, bis er bei dir angekommen ist.
  • Gib ihm dann ein besonders gutes Leckerli.

Wenn dein Hund diesen Ablauf gut beherrscht, kannst du langsam die Ablenkungen steigern, also in einer Umgebung trainieren, in der gelegentlich Spaziergänger:innen, Radfahrer:innen oder andere Hunde vorbeikommen.

Belohnungsfrequenz:
Am Anfang sollte dein Hund jedes Mal belohnt werden, wenn er dem Rückruf folgt. Wenn er acht von zehn Mal sicher kommt, kannst du anfangen, nicht mehr jedes Mal eine Belohnung zu geben – aber bitte nach dem Zufallsprinzip. Hunde merken schnell, wenn es nur noch jedes zweite Mal etwas gibt. Nach und nach kannst du die Belohnung seltener einsetzen. Ich empfehle, lebenslang ab und zu eine Belohnung zu geben. Wenn dein Hund nicht mehr so gut hört, arbeite vorübergehend wieder öfter mit Leckerlis und baue das später wieder langsam ab.

Art der Belohnung:
Wichtig ist, dass die Belohnung – auch das Leckerli – immer etwas besonders Gutes ist. Trockenfutter, das der Hund ohnehin bekommt, ist eher langweilig. Probier ruhig Verschiedenes aus: Fleischwurst, Käse, oder sogar Karotten oder Gurken. Wenn dein Hund keine Leckerlis mag, finde heraus, was ihn motiviert: Reicht stimmliches Lob? Liebt er es, zu schwimmen oder zu buddeln? Dann kannst du ihm das nach einem erfolgreichen Rückruf ermöglichen.

Was tun, wenn mein Hund nur bei bestimmten Reizen nicht hört, wie zum Beispiel bei einer Katze?

Für solche Situationen kannst du ein „Super-Signal“ aufbauen, das du nur bei extrem starker Ablenkung verwendest. Wenn dieses Signal richtig gut trainiert ist, kannst du damit fast jeden Hund auch aus schwierigen Situationen abrufen. Aber das ist der nächste Schritt, nachdem dein Hund den normalen Rückruf sicher beherrscht.

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